Es ist leichter, die Menschen zu täuschen, als sie davon zu überzeugen dass sie getäuscht worden sind.

(Mark Twain zugeschrieben)

Ein Quantum Zukunft – Quantenphysik und Quantentechnologien einfach erklärt

Buch von Johannes Knörzer und Patrick Emonts

Der Quantencomputer - fast schon sagenumwoben, jeder spricht heutzutage davon, (fast) niemand hat je einen gesehen.
Fast im Verborgenen gedeihen andere Quantentechnologien, also Quantensimulation, Quantenkryptographie und Quantenkommunikation, sowie Quantenmetrologie.

Bevor die Autoren in diese Fachgebiete springen, erfolgt eine Einführung in die basics: die Quantenphysik.
Gut verständlich und mit anschaulichen Beispielen und Skizzen unterlegt. Allerdings wird dieses Gebiet im Eilzugtempo durchlaufen, weil es ja nur die Vorspeise ist. Wer sich erst einmal nur mit Quantenphysik beschäftigen will, dem sei meine Erklärung empfohlen, und, wem diese noch zu kurz ist, das hervorragende Buch von Florian Aigner.
Das zu lesen, was man schon weiß, sich bestätigt zu fühlen, aber doch der eine oder andere Aha-Effekt, das bereitete mir Vergnügen.

Manchmal ist es doch ein wenig zu abstrakt. Bei der Erklärung der Ionenfalle bezweifle ich, dass sich ein Leser das vorstellen kann, der vorher nichts davon gehört hat. Wenn du das Buch liest, und du bist auf Seite 104 bei der Paul-Falle angelangt, dann sieh dir dieses Bild an.

Die Wechselspannungen "RF" (radio frequency, also Hochfrequenz) sind so aufeinander angestimmt, dass ein sich drehendes elektrisches Feld entsteht. Und dann haben wir die rotierende Sattelfläche wie auf Seite 105. Professor Blatt von der Uni Innsbruck, von dem auch das Bild stammt, hat ebendieses Modell bei einem Vortrag vorgeführt.

Bei den Quantengttern vermisse ich den Hinweis, dass die Linien im Diagramm - anders als bei klassischen Gattern - eben nicht Leitungen darstellen, sondern nur eine logische Abfolge. Bei Quantengattern wandert die Information nicht von einem Speicherplatz zum Gatter und von dort zu einem anderen Speicherplatz, sondern die Information, die in einem Quantenregister steht, wird an Ort und Stelle verändert.

Und dann hätte ich mir noch gewünscht, zu erfahren, wie ein solches Gatter realisiert werden kann.

Quanten-Messtechnik: Ich habe mich beeilt, dieses Kapitel fertig zu lesen bevor ich zu einem Fachvortrag an der TU Wien gegangen bin. Und da hat es mir sehr geholfen, dem Vortragenden zu folgen. Und ich glaube, ich war einer der Wenigen, denen das gelungen ist.

Quanten-Kommunikation: Der sichere Austausch von Schlüsseln ist heute schon Stand der Technik. Gegen unbemerktes Abhören hilft das No-Cloning-Theorem, das besagt, dass Quantenzustände (im Allgemeinen) nicht kopiert werden können.

Wirklich gefreut hat mich das letzte Kapitel "Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft". Klarerweise wird dieses Kapitel bald überholt sein - wenn nämlich die Zukunft bereits eingetreten ist. Also sollte man sich beeilen, dieses Kapitel (sowie auch das ganze Buch) zu lesen. Zwischen zu optimistisch und zu pessimistisch finden die Autoren ihren Weg. Es ist ein Streifzug durch die besprochenen Kapitel, auf die immer wieder hingewiesen wird, samt Einschätzung des Zukunftspotentials. Ich rate dazu, die Lektüre des Buches mit diesem Kapitel zu beginnen und bei Interesse den Hinweisen nachzugehen.

Es wäre den Autoren wahrscheinlich leichter gefallen, das Buch doppelt so dick zu machen. Und auch dann hätte vieles ausgelassen werden müssen, was sich der interessierte Leser sowieso aneignen müsste. Alles in Allem ein Buch das Lust auf mehr macht - und das ist sicher auch so beabsichtigt gewesen.

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